ETF

Warum ist mein ETF im Minus?

Durch die Reform des Investmentbesteuerungsgesetzes ist u.A. die Behandlung von ETF zum 1.1.2018 geändert worden. Die Reform ist insbesondere für Privatanleger von Bedeutung, um die im Depot eingebuchten Zahlen richtig zu deuten. Zunächst die gute Nachricht: Es bleibt beim Steuersatz von 25 % auf Kapitalerträge (zuzüglich Solidaritätszuschlag)! Ziel der Gesetzesänderung ist nun u.A., alle ETF gleichsam „steuereinfach“ zu machen. Diesem Grundgedanken folgend sollen nun steuerliche alle ETF gleichbehandelt werden, unabhängig davon, ob es sich um thesaurierende oder ausschüttende, physische oder synthetische ETF handelt. Es bleibt wie bisher dabei, dass die Bank die Abgeltungssteuer von 25% plus Solidaritätszuschlag für Sie abführt und Sie sich um sehr wenig kümmern müssen. Wer thesaurierende ausländische Fonds im Depot hat, wird sogar von dem zusätzlichen Aufwand befreit, ausschüttungsgleiche Erträge der Jahressteuerbescheinigung der Bank in der Jahreseinkommensteuererklärung anzugeben.

Versteuerung anhand der Vorabpauschale

Um die Gleichbehandlung sämtlicher ETF-Typen zu erreichen, wird deren Besteuerung wie folgt vereinheitlicht: Seit dem 1.1.2018 ist Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer eine pauschale, unterstellte Wertsteigerung. Diese wird vorab als sogenannte Vorabpauschale fällig. Die Vorabpauschale wird anhand einer Basisverzinsung der Fondsanteile berechnet, jeweils zu Beginn eines Kalenderjahres; zum 2.1.2018 hat die Deutsche Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten einen Wert von 1.1 % errechnet. Bei reinen Aktienfonds sind 30% der Bemessungsgrundlage von der Besteuerung freigestellt (Teilfreistellung). Abgezogen wird noch eine Kostenpauschale von 30% des Basiszinssatzes. Dies klingt kompliziert, bedeutet aber letztendlich, dass ein Wertzuwachs unterstellt und vorab besteuert sowie dann zum Ende des Jahres korrigiert wird. Am Ergebnis – dem Steuersatz von 25% auf alle Erträge – ändert dies, soweit ersichtlich, nichts Entscheidendes. Hierzu ist aber jeweils die laufende Besteuerung und die Besteuerung bei Verkauf zu trennen und gemeinsam bei der Ermittlung der Gesamtsteuerbelastung (auf Fonds- und Anlegerebene) zu berücksichtigen.

Keine Panik zum Jahresbeginn

Durch die Neuerung kommt es indes dazu, dass in vielen Depots zu Jahresbeginn ein sattes Minus angezeigt wird. Denn sämtlichen Fondsanteilen wird zum Zwecke der Besteuerung ein Wertzuwachs unterstellt und bei der Rendite der ETF-Anteile dargestellt. Allerdings ist wegen der aktuellen Seitswärtsbewegung der großen Märkte ein solcher Wertzuwachs nicht eingetreten – diese beiden Effekte verstärken sich also. Im Ergebnis ist in vielen Depots die Wertentwicklung daher schlechter dargestellt, als sie es tatsächlich ist. Man sollte also Ruhe bewahren.

Begrenzung auf bzw. Korrektur um tatsächliche Wertentwicklung des Fonds

Denn in der Höhe begrenzt wird die Vorabpauschale durch die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds: Stellt sich im Nachhinein, also zum Ende des Kalenderjahres, heraus, dass sich der Fonds schlechter entwickelt hat als durch die Pauschale berücksichtigt, wird die tatsächliche Wertsteigerung als Bemessungsgrundlage herangezogen. Während bei thesaurierenden Fonds in Zukunft nur noch die Pauschale angesetzt wird und die bisherigen ausschüttungsgleichen Erträge vollständig ersetzt, wird bei ausschüttenden Fonds die Pauschale um die tatsächlich gezahlten Dividenden verringert. Dadurch kann es in vielen Fällen dazu kommen, dass es bei der Besteuerung der Ausschüttungen bleibt und die Vorabpauschale gar nicht zum Tragen kommt.

Weniger Aufwand bei thesaurierenden ausländischen Fonds

Bei thesaurierenden ausländischen Fonds entfällt seit dem 1.1.2018 der Aufwand, die ausschüttungsgleichen Erträge der Jahressteuerbescheinigung der Bank in der Jahreseinkommensteuererklärung anzugeben. Denn die Bank übernimmt in Zukunft die Berechnung und führt die anfallende Abgeltungssteuer direkt ans Finanzamt unter Berücksichtigung des Sparerfreibetrages – sofern ein Freistellungsauftrag vorliegt – von 801 Euro bzw. 1602 Euro bei Ehepaaren ab. Bei ausländischen thesaurierenden synthetischen Fonds entfällt des Weiteren der Stundungseffekt, der bei SWAP-basierten ETF mangels tatsächlicher Ausschüttungen bis zum Verkauf des Fonds eintrat.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Der Contrarian: Warum ist mein ETF im Minus? […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.