Tesla: The big short 2018?

Wer sich ab und zu in Trading-Foren nach der aktuellen Anlegerstimmung zu Tesla Motors Inc., mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien umhört und -sieht, wird schnell feststellen, dass eine regelrechte Meinungsschlacht geführt wird. Dabei ist die Stimmung sehr aufgeheizt und bipolar: Zwischen der weltweiten Vorherrschaft in der E-Mobilität und der nahen Insolvenz des Autobauers sind nur wenige Anleger positioniert – oder halten sich zurück. Wie es um den Autobauer steht, kann man auch versuchen, am Aktienmarkt abzulesen, wird dann aber zum Ergebnis kommen, dass hier vor allem Euphorie im Kurs steckt und die zahlreichen Anleger, die auf ein nahes Ende des Börsenaufstieg setzen, noch nicht die Oberhand gewonnen haben.

Zu den Produkten von Tesla, soweit ich sie selbst testen durfte (Model S und Model X) kann man eigentlich nur in die Euphorie einstimmen. Denn diese Autos sind wirklich gut. Sie fahren sich sensationell, sowohl was Reisekomfort und Fahrspaß – vor allem die Beschleunigung – betrifft, sind günstig im Unterhalt und zumindest im Betrieb sauber. Dennoch mahnt der Dauerverzug in der Produktion des Massenmodells Model 3 zur Vorsicht. Aus meiner Sicht gibt es derzeit folgende Kriterien, die Tesla – so begeistert man von den Produkten auch seien mag – die Tesla für einen Short interessant machen:

  • Führungspersonal verlässt regelmäßig das Unternehmen. Dies deutet auf schwerwiegende Differenzen im Management hin.
  • Der Launch der Massenproduktion des Model 3 wurde einige Male verschoben.
  • Einige rechnen vor, dass das Model 3 nicht profitabel sei; wenn der Preis erhöht werden muss, um Gewinne zu erwirtschaften, könnten zahlreiche Interessenten ihre Vorbestellungen zurückziehen.
  • Berichte von ersten ausgelieferten Model 3 – die nur schwer überprüfbar sind – deuten auf gravierende Produktionsprobleme hin (z.B. Spaltmaße). In einem Bericht war kürzlich zu lesen, dass 40% der zugelieferten Teil weiterhin manuell überarbeitet werden müssen.
  • Es werden immer mehr neue Projekte und Prototypen präsentiert: Wenn die Produktion des Model 3 kaum ans Laufen gebracht wird, wie soll dies mit dem Roadster, dem Semi Truck etc. funktionieren.
  • Weitere eher noch in den Sternen stehende Probleme könnten auftreten, wenn tatsächlich Tesla ein Massenprodukt produziert und es Engpässe bei der Stromversorgung gibt.

Man kann rechnen, so viel man will. Am Ende ist die Börsenbewertung von Tesla astronomisch (etwa der von General Motors, dem größten US-Autobauer entsprechend) gemessen an den bevorstehenden Schwierigkeiten. Das Erstaunliche ist jedoch, dass trotz der Bekanntheit aller vorgenannten Punkte die Börsenbewertung nicht an die tatsächliche Unternehmensentwicklung gekoppelt zu sein scheint. Aus diesem Grund erscheint es mir interessant, das Ganze auch menschlich zu betrachten. Das Marketing bei Tesla ist großartig. Ich denke, in vielen Köpfen wird Tesla die Bedeutung für Mobilität zugeschrieben, die das iPhone bzw. Apple für die Kommunikation hat.

Das Commitment bei Tesla dürfte unfassbar hoch sein. Dieser Faktor, der oft als entscheidender Vorteil gegenüber der Verbrennerindustrie – den etablierten Autobauern – hervorgehoben wurde, könnte am Ende über Wohl und Wehe des kalifornischen Unternehmens entscheiden. Denn der hohe Kapitaleinsatz bedeutet mittelfristig: „All or Nothing“. Wer sich bereits so stark für den Erfolg eingesetzt hat, wie die Führung von Tesla, bleibt, so meine Prognose, am Ball bis Alles oder Nichts mehr geht. Neulich las ich, dass besonders vermögende Menschen durchschnittlich dreimal im Leben finanziell Totalschaden erleiden. Vielleicht kommt es am Ende also doch auf die Zahlen an.

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