Steinhoff: Zock oder Contrarian-Investment?

An der Aktie der Steinhoff AG scheiden sich die Geister. Die einen warnen vor dem Totalverlust – durch Insolvenz oder fast vollständiger Verwässerung von Altaktien im Zuge der Umwandlung von Schulden in neue Aktien -, die anderen betonen eine übertriebene Abwertung der Aktien im Zuge des Bilanzskandals. Immerhin verfügt der Konzern über einen – soweit man es erfährt – soliden Cashflow und einige werthaltige Assets. Wie das Ganze ausgehen wird, ist sehr ungewiss. Wenn man versucht, Schlüsse aus den nur wenigen verfügbaren Informationen zu ziehen, ergibt sich für mich ein tendenziell eher positiv als negativer Ausblick. Dies beruht für mich auf folgenden Überlegungen:

  • Dass die Nachrichtenlage dünn ist, bedeutet im Umkehrschluss, es gibt keine Leaks oder „Whistleblower“. Dies deutet wiederum darauf hin, dass Interessenskonflikte in dem Kreis der Veranwortlichen nicht ausgeprägt sind oder jedenfalls an sachlichen Problemlösungen gearbeitet wird.
  • Dies wiederum steht in Zusammenhang damit, dass der Beraterkreis nach den verfügbaren Informationen gut ist. Wer gut beraten ist, findet eher eine Gesamtlösung (als wenn etwa ein innerfamiliärer Streit im Raum steht o.Ä.)
  • Der Schwebezustand nach Bekanntwerden des Bilanzskandals besteht nun schon seit Dezember. Nach wie vor wird mit Gläubigern, Banken etc. verhandelt und es werden immer wieder Teilerfolge erzielt. Eine Erkenntnis der Psychologie ist es, dass wer lange „committed“ eher nicht spät abspringt.
  • Es wurden bereits Assets wie der Firmenjet verkauft: Wer seine Prestigeobjekte unter den Hammer bringt, zeigt, auch für schmerzhafte Einschnitte bereit zu sein und nicht zwanghaft Status oder Stolz künstlich aufrecht erhalten zu wollen – sondern vor allem an einer Rettung des Konzerns interessiert zu sein.

Dies alles sind natürlich nur Indizien, die jeweils zu hinterfragen sind. Gerade dass aber auch die Außendarstellung kontrolliert wirkt, könnte Anlass geben, eher ein gutes Ende zu erwarten.

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