Flash Boys

[Rezension] Buch des Monats: „Flash Boys – Wie Insider die Börse manipulieren“ von Michael Lewis

Nachdem ich mit Liar’s Poker den US-Amerikanischen Autor Michael Lewis entdeckt hatte, habe ich mir direkt einige Bücher von ihm bestellt, u.A. „The Fifth Risk“ und den bekannten Titel „The Big Short“, von dem ich bisher nur die Verfilmung mit Christian Bale gelesen hatte. Liar’s Poker war eine echte Entdeckung an Börsenbuch, wie es nur selten passiert: Witzig, gut lesbar, informativ, persönlich und mit den Erzählungen aus den 80er-Jahren an der Wallstreet fast schon ein historischer Titel. Umso erstaunter war ich, dass Lewis auch hochaktuelle Titel geschrieben hat und schreibt, zu denen auch „Flash Boys – Wie Insider die Börse manipulieren“ gezählt werden darf.

Um was geht es in dem Buch

„Flash Boys – Wie Insider die Börse manipulieren“ handelt vom Hochfrequenzhandel an der Börse und wie dieser mittlerweile das Börsengeschehen dominiert. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, daher nur so viel: Durch schnellere Verbindungen zu den jeweiligen Handelsplätzen können Händler (die „Flash-Trader“) den Ordern von Investoren (und auch Retail-Tradern) zuvorkommen und diese dabei um Cent-Beträge „betrügen“. Ein vereinfachtes Beispiel: Wenn eine Kauf-Order an die Börse kommt bekommt ein Flash-Trader dies über eine geschickt platzierte Order mit. Bevor die Kauf-Order auf einen Käufer trifft kann ein Flash-Trader die Börsen abklappern und eine bereits platzierte Kauforder die am Markt erhältlichen Aktien abfangen und kaufen und dann in Erfüllung der ursprünglichen Kauforder wieder verkaufen – natürlich für ein paar Cents mehr. Auch wenn es sich im Einzelnen um kleine Orders und Centbeträge handelt, summieren sich solche Tricks – von denen es einige gibt – auf Milliardenbeträge für die Flash-Trader.

Eine Welt für sich und ein Augenöffner!

Wenn man sich erstmal eingelesen hat, kommt man aus dem Staunen darüber, was technisch an der Börse passiert, nicht mehr heraus. Die eigentliche Avantgarde sind längst Programmierer und Informatiker! Highlights sind u.A. Informationen wie dass große Broker wie TD Ameritrade oder Schwab Ihre Orderbücher verkaufen und damit den Flashtradern mittelbar erlauben, die Orders in der genannten Weise für sich zu nutzen. Am Markt der Flashtrader ist ein Wettbewerb um Geschwindigkeit entbrannt, weil nur wer schneller ist als die anderen sich die Vorteile durch Arbitrage sichern kann. Schon wenige Meter Kabel entscheiden am Ende darüber, wer im Rennen um die Milliarden – aus kleinsten abgefischten Cent-Beträgen – vorne mit dabei ist. Was Lewis bei der trockenen Materie extrem gut gelingt ist, dass es nie langweilig wird. Es ist ohne Weiteres ohne vertiefte Kenntnisse möglich, den Hochfrequenzhandel nachzuvollziehen. Lewis lässt dabei auch die persönlichen Geschichten der Akteure nicht zu kurz kommen, die auch mitunter von dem Idealismus getrieben sind, dem Treiben einen Riegel vorzuschieben.

Fazit

Ein absoluter Lesegenuss für jeden, der ohne Verschwörungstheorien wissen und verstehen will, was an der Börse wirklich passiert. Absolute Empfehlung! 🙂

Persönliche Entwicklung: ++

Informationsgehalt: +++

Lesbarkeit/Lesespaß: +++

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.