Liar's Poker

[Rezension] Buch des Monats: Der Klassiker „Liar’s Poker“ von Michael Lewis

„Liar’s Poker“ ist ein Klassiker der leichten, unterhaltsamen und zugleich historischen Börsenliteratur und ein empfehlenswerter Lesespaß für jeden Börsianer, den ich jedem ans Herz legen möchte.

Vom Feeling ähnlich wie der Film „Wall Street“  mit Michael Douglas oder das Buch „American Psycho“ von Bret Easton Ellis gibt Liar’s Poker einen authentischen Einblick in das Treiben am Bondmarkt der 80er Jahre, als diese sich zu einem der profitabelsten Märkte weltweit entwickelte.

Der Autor Michael Lewis, den die meisten heute wahrscheinlich von den Büchern „Flash Crash“ und „The Big Short“ kennen, war selbst Berufseinsteiger bei Salomon Brother’s, einer der berühmt-berüchtigten Trader-Schmieden der Wallstreet in der 80er Jahren. Der Rest ist Geschichte (Korruptionskandal und Aufkauf durch Travelers Ende der 90er Jahre). Lewis reflektiert in „Liar’s Poker“ seine Erfahrungen an der Wallstreet und verarbeitet zugleich die einprägsamen Erfahrungen, Schikanierungen und Demütigungen, die den Berufseinstieg als Trader begleiteten. Es scheint fast etwas aus der Zeit gefallen, wenn Lewis die Momente beschreibt, in denen zum Beispiel damals die Novizen die Handelsräume betraten und in Ehrfurcht vor dem rauen Umgangston hofften, nicht aufzufallen („unsichtbar spielen“).

Ein Kapitel dreht sich etwa darum, wie ein Novize den erfahrenen Tradern Essen aus der Kantine holen muss und das Essen in einem Akt des Ungehorsams nicht bezahlt. Lewis beschreibt dies sehr eindrucksvoll als Aufbäumen gegen eine Welt, die hauptsächlich aus Schikanen bestand. Als sich der Trader damit brüstet, das Essen nicht bezahlt zu haben, wird ihm in einem Komplott der erfahrenen Mitarbeiter vorgespielt, dass die Börsenaufsicht wegen des Diebstahls ermittle, die auch für die Kantine „zuständig“ sei. Salomon Brothers habe nun deshalb mit einer Ermittlung der Börsenaufsicht zu kämpfen – das Todesurteil für den jungen Trader und die Kündigung scheint sicher! Als der Gag auffliegt sterben die meisten Mitarbeiter vor Lachen, nur der junge Trader und Essensdieb ist dem Ende und der Verzweiflung nahe. Dies ist nur ein illustres Beispiel aus vielen Geschichten, die Geschichte hinter dem Titel „Liar’s Poker“ möchte ich an dieser Stelle nicht „spoilern“, um den Spaß beim Lesen nicht vorwegzunehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Bericht aus erster Hand von der Wallstreet der 80er Jahre zu lesen.

Heute haben Computer und Algorithmen übernommen und vielleicht ist auch deshalb „Liar’s Poker“ gerade heute so ein großer Lesespaß. Es hat etwas Nostalgisches und zugleich Antiquiertes, von der Börsenwelt der 80er zu lesen und an mancher Stelle sehnt man sich dorthin, in eine Zeit, in der die Handelsentscheidungen nicht bloß vor dem Computer getroffen wurden (wenngleich auch sicherlich die 80er ihre Schattenseiten hatten). Eines ist sicher und das verdeutlichen die Geschichten von Lewis, die er aus eigener Anschauung berichtet, nur zu gut: Es war eine wilde Zeit und „Liar’s Poker“ enthält dazu amüsantes und lehrreiches Anschauungsmaterial!

Persönliche Entwicklung: +

Informationsgehalt: +

Lesbarkeit/Lesespaß: +++

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.