Finanzielle Freiheit

Mal wieder: Finanzielle Freiheit

Es ist ein waschechter Trend: Immer mehr Menschen erträumen finanzielle Freiheit, die zu erreichen als segenvoll betrachtet wird. Endlich das machen, wovon ich seit Jahren träume! Die Welt umsegeln, am Strand liegen, leben wo ich will, machen was ich will! Zeit für die Kinder, Zeit für Familie und Freunde! So oder so ähnlich ist die Fantasie bzw. der Traum in aller Regel beschrieben. Ich war schon immer etwas kritischer, wenn es um das Erreichen des Ziels „finanzielle Freiheit“ ging.

Dabei glaube ich nicht einmal, dass es unmöglich ist. Ich bin sogar fest überzeugt, dass wenn man das notwendige Maß an Kompromisslosigkeit mitbringt, in einem Zeitfenster von 5-10 Jahren ohne Weiteres ein Einkommen generieren kann, das weitgehend passiv ist. Manche wollen sogar in dieser Zeit zum Millionär werden. Nur was dann? Der Mensch ist unbestreitbar ein Gewohnheitstier – Ziele folgen neuen Zielen. Wenn man viel arbeitet, kann man nicht einfach aufhören, ich halte das für eine Illusion. Natürlich gibt es diejenigen, die wirklich für immer der Arbeitswelt den Rücken kehren. Ob diese danach aber glücklicher sind, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr bin ich überzeugt davon, dass ein maßvolles Leben das ultimative Ziel ist. Das Glück lässt sich ohnehin nicht zwingen, sondern es lassen sich vor allem Gelegenheiten schaffen. Man sollte immer machen, was einem Spaß macht. Ich habe schon viele Menschen erlebt, die sehr vermögend geworden sind, aber einen derart hohen persönlichen Preis (Gesundheit, vernachlässigte Familie) dafür gezahlt haben, dass ihnen das alles nichts mehr genutzt hat. „Rosebud“ aus Citizen Kane lässt grüßen. Dies ist wirklich nicht erstrebenswert.

Aus dem gleichen Grund betrachte ich ein allzu frugales Leben kritisch, wie es teilweise in der FI/RE-Community (Erklärung zB. hier) vertreten wird. Bei Tim Schäfer finde ich immer wieder gute und neue gedankliche Anstöße. Das Leben ist schön und viel zu kurz, also muss man es auch genießen! Wer weiß schon, wie lange wir hier sein werden. Das gute Leben liegt für mich daher zwischen Porsche und Rolex auf der einen Seite und trockenem Brot und Leitungswasser auf der anderen Seite – dies natürlich mit einem Augenzwinkern -, zwischen 80 Stunden Arbeit pro Woche und entsprechend verringerter Lebensqualität und einer Viertelstelle im öffentlichen Dienst (no disrespect!). Gerade in der heutigen Zeit mit vielen technologischen Erleichterungen des Alltags sollten wir froh sein, so viele Möglichkeiten wie Reisen etc. zu haben. Der allgemeine Wohlstand ist ebenfalls sehr hoch – zwar weiß angesichts der Schuldenberge weltweit niemand, wie lange es noch weitergeht: Wenn die Goldgräberzeiten vorbei sind, könnten wir uns alle eines Tages an die heutigen Goldenen Jahre noch sehnsuchtsvoll erinnern.

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