Handelsstreit: politischer Gegenwind als Gefahr für deutsche Industrie(-Aktien)?

Ein etwas plattes Sprichwort lautet: „Feinde muss man sich verdienen“. Nun wäre es sehr übertrieben, im Bezug auf die USA oder Südeuropa von Feinden zu sprechen. Der deutsche Wohlstand, der auf der deutschen Exportstärke beruht, ruft indes Kritiker eines Ungleichgewichts auf den Plan.

Wir erleben eine Zeit der Gegenbewegung

Der Vorwurf lautet verkürzt: Deutschland bereichert sich auf Kosten von anderen Ländern, indem deutsche Unternehmen weitgehend ohne Handelsschranken in andere Länder exportieren können, während andere Länder dies nicht tun. Das Ausland (Unternehmen, Staaten und Privatleute) ist gegenüber Deutschland hoch verschuldet. Während das Ausland teilweise so hoch verschuldet ist wie nie zuvor, kann Deutschland seine staatliche Nettoverschuldung sogar abbauen. Dies führt zu Argwohn und dem Risiko einer sich gegen Deutschland aufbauenden politischen Front. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vorwurf wohl nicht. Oftmals werden etwa Zahlungen von Deutschland an die EU sowie Entwicklungshilfe dafür ins Feld geführt, dass Deutschland zu viel im Ausland mitfinanziere. Die Realität sieht jedoch gänzlich anders aus. Denn deutsche Unternehmen – und damit der deutsche Wohlstand insgesamt – sind hochgradig abhängig von Exporten nicht nur von Konsumprodukten sondern auch von Maschinen und Industrieanlagen. Wollte man die Vorteile und die Kosten saldieren, so wäre das Saldo eindeutig positiv! Kommt es nun dazu, dass Zölle international wieder um sich greifen, würde die deutsche Industrie zunächst stark leiden – Umsätze brechen ein und damit auch die Aktienkurse.

Auf die Gegenbewegung folgt die Gegenbewegung

Nur wie lange hätte eine solche Entwicklung Bestand? Mein grundsätzliches Credo als Contrarian ist, dass historische Entwicklungen niemals Einbahnstraßen sind. Auf den Liberalismus und das uneingeschränkte Vernetzen der Welt („Obama-Ära“) folgt die Zeit einer Gegenbewegung: Besinnung auf nationale Wurzeln und regionale Interessen. Dies wird sich wieder ändern, denn keine Generation ist so mobil, vernetzt und weit gereist wie die heutige! Wir leben auf der ganzen Welt, schon das Wort Globalisierung scheint aus der Zeit gefallen, so selbstverständlich ist es, in globalen Kontexten zu denken. Ich bin gewiss, dass nach einer Zeit des kulturellen Konservatismus wieder eine noch selbstverständlichere Zeit des liberalen Globalismus folgen wird. Als Investor halte ich es daher mit einer klassischen Weisheit: politische Börsen haben kurze Beine, oder, mit einer anderen Wendung: Dann, wenn alle Angst haben, ist die beste Zeit zum Kaufen. Man muss nur in langfristigen Kontexten denken.

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