Finanzielle Freiheit

Finanzielle Freiheit – Wird das nicht langweilig?

Die Reise „Finanzielle Freiheit“ dauert nur so lange, bis man angekommen ist. Denn wer erst einmal nach den selbst definierten Zielen finanziell frei ist, der hat den ganzen lieben langen Tag Zeit, das zu tun, was er oder sie wirklich möchte. Dann kann man im Pool liegen, Sport machen, reisen, ein Buch schreiben. So oder so ähnlich lautet die landläufige Ansicht zur finanziellen Freiheit. Wer finanziell frei ist, lebt besser, weil er keine Verpflichtungen hat. Mittlerweile zahlreiche Blogger und Autoren befassen sich mit diesem Thema. Ein sehr schöner, weil kritischer, Beitrag findet sich etwa bei Zendepot.

Wir leben in einer Goldgräberzeit! Denn allen Unkenrufen über ungleich Vermögensverteilung zum Trotze leben wir in einer Zeit, in der Kapital – für die meisten – leicht zugänglich und günstig ist. Wer also weiß, was er tut, hat es heute auch durch die Digitalisierung und die Vielfalt von Investitionsmöglichkeiten von überall und zu jeder Zeit wesentlich leichter als vor zwanzig Jahren. Über eine lange Zeit ist der Wohlstand, den wir heute haben, sehr mühsam aufgebaut worden. Man denke etwa daran, wie kurz es Digitaltechnik erst gibt.

Man kann sogar noch weiter vorne anfangen: Die technischen Erleichterungen der Produktion (Robotik z.B.) haben schwere körperliche Arbeit erheblich reduziert. Viele sagen, dass die Digitalisierung noch zu einem erheblichen Rückgang von körperlicher Lohnarbeit führen wird. Es gerät meiner Meinung nach zu schnell in Vergessenheit, wie hart Generationen vor uns noch – buchstäblich von Hand – den Wohlstand erarbeitet haben, der den jetzigen Generationen unbegrenztes Reisen und Freiheiten ermöglicht. Die Chancen, innerhalb eines Lebens großes Vermögen aufzubauen und selbständig zu erarbeiten, waren noch nie so gut, wie heute.

Wer finanzielle Freiheit daher mit Nichtstun gleichsetzt, in Erwartung monatlicher oder quartalsweiser Dividendenzahlungen, greift womöglich zu kurz. Denn wir haben heute schon vieles von dem, von dem andere Generationen nur zu träumen wagten: Gesundheit – Geld – Zeit. Wer vom Hamsterrad spricht, sollte sich zunächst einmal fragen, ob er wirklich weiß, wovon er redet. Damit meine ich nicht, dass es das Hamsterrad nicht gibt oder zu viel gejammert wird. In vielen Fällen dürften aber andere Gründe für die eigene Unzufriedenheit eine Rolle spielen, als ein wirkliches Gefangensein in materieller Notwendigkeit, jeden Tag 12 Stunden sinnbefreit zu schuften. Dass früher vieles schlechter war (Arbeitsbedingungen, Hierarchien, Bezahlung) macht das Heute zwar nicht gut. Die Möglichkeiten, auch geschaffen durch die Digitalisierung, woanders sein Glück zu suchen, im Ausland zu arbeiten oder sogar ein Jahr zu pausieren und zu reisen sind allerdings so gut wie nie zuvor.

Es kommt daher aus meiner Sicht darauf an, ein gutes Maß zu finden, das sich zwischen Aktivität und Freizeit, zwischen Disziplin und Sinn im Beruf einzupendeln hat. Wer finanzielle Freiheit als Passivität und Freiheit von Verpflichtung definiert, der wird vielleicht enttäuscht werden, wenn es soweit ist. Schon häufig habe ich es mitbekommen, wie Ruheständler wieder anfangen zu arbeiten, weil Ihnen langweilig geworden ist. Selbst seine Freizeit mit Sport, Ausflügen und Wohltätigkeit zu füllen, kann vielleicht den Reiz des Zwanges nicht ersetzen. Ich würde nicht darauf verzichten wollen, im Beruf gebraucht zu werden und auch den Stress des Alltags zu spüren. Um es anders zu drehen: Was jederzeit möglich und erreichbar ist, verliert seinen Reiz. Finanzielle Freiheit sollte daher vielleicht für immer ein Ziel bleiben. Der Mensch braucht immer etwas, nach dem er strebt.

2 Kommentare
  1. Dominik von depotstudent.de
    Dominik von depotstudent.de says:

    Ich sehe das ähnlich. Bei mir ist selbst bei finanzieller Freiheit der Weg das Ziel. Die Menschen werden zwar bei Erreichen des Ziels auf jeden Fall freier, glücklicher aber nicht unbedingt.

    Zum Hamsterrad: Der Gedanke ist mir auch schon so oft durch den Kopf gegangen, wenn immer über das ach so schlimme Hamsterrad geschimpft wird. Wer ganz ehrlich zu sich ist, wird sich in den meisten Fällen eingestehen müssen, dass das nur ein Hirngespinst ist. Wer einen riesigen Kredit aufnimmt und deshalb 50 Stunden die Woche arbeiten muss, ist vielleicht in einem Hamsterrad. Der Durchschnittsbürger allerdings nur sehr bedingt und auf die ganzen Hamsterrad-Blogger ist dies sowieso keinesfalls zutreffend
    So viele Freiheiten wie heute hatten die Menschen (in Deutschland) wahrscheinlich in der Geschichte sehr selten. Wer sich aber voll dem Job verpflichtet, fühlt sich vielleicht tatsächlich wie im Hamsterrad.

    Bei Interesse der Link. Da habe ich mich auch etwas darüber ausgelassen, dass finanzielle Freiheit so übertrieben propagiert wird. 😉

    https://depotstudent.de/studenten-und-finanzielle-freiheit-nicht-geil/

    Grüße vom Depotstudent Dominik 🙂

    Antworten
  2. Thorsten
    Thorsten says:

    Interessanter Artikel mit guten Denkanstößen!

    Ich stimme jedoch nicht wirklich damit überein… Selbst wenn ich finanziell frei bin und den Drang verspüre gebraucht werden zu wollen, KANN ich immer noch (wieder) arbeiten gehen.

    Der Charme dabei ist eben einfach ich MUSS es nicht mehr, kann also auch jederzeit wieder aufhören. Ich kann also eine „Pause“ vom Nicht-Arbeiten machen, ohne auf meine (finanzielle) Freiheit zu verzichten 🙂

    Das ist dann für mich Luxus!

    Viele Grüße
    Thorsten

    Antworten

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