Die Börse ist ein Spiegel des Anlegers

Manches mal habe ich mich gefragt, was das wichtigste Prinzip beim Kauf von Aktien ist. Zunächst kann man zwischen den charakterlichen Eigenschaften des Anlegers und Handlungsprinzipien unterscheiden. Beides ist miteinander verwandt, denn ohne persönliche Veranlagung und charakterliche Weiterentwicklung wird es schwierig, den selbstgesetzten Zielen und Handlungsleitlinien zu entsprechen.

Persönliche Eigenschaften und Handlungsprinzipien

Disziplin sowie die verwandten Eigenschaften wie Ausdauer und Kontrolle sind als charakterliche Prinzipien sicherlich wesentlich für den Börsenerfolg mit Aktien. Es wird bzw. wurde immer wieder von Börsenlegenden wie Warren Buffett oder in Deutschland besonders André Kostolany betont, wie entscheidend langfristiges Denken ist. Dies kann nur gelingen, wenn man ausdauernd ist – das entsprechende Handlungsprinzip lautet: Hin und Her macht Taschen leer. Andere Handlungsprinzipien sind, nur das zu machen, was man vollständig verstanden hat und die eigene Gier zu zügeln – Chance und Risiko halten sich nämlich regelmäßig die Waage, so dass auf ein ausgewogenes Verhältnis zu achten ist.

Reflexions- und Lernvermögen

All dies kann nur erfolgreich bewältigen, wer in hohem Maße auf die eigenen Entscheidungen reflektiert und stetig aus den eigenen Fehlern bereit ist zu lernen. Denn Fehler macht jeder Anleger an der Börse irgendwann. Wer kennt nicht die Situation, in der man eine Aktie zu früh verkauft, bevor sie im Anschluss noch einmal um 100% zulegt? Fehler passieren und die Kunst ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen sondern die Fehler zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln und beim nächsten Mal besser zu entscheiden. Dies hängt wiederum mit charakterlichen Eigenschaften zusammen, denn ein hohes Durchhaltevermögen begünstigt die Widerstandskräfte, die erforderlich sind, eigene Entscheidungen immer wieder zu durchdenken, Entscheidungsprozesse zu verbessern und sich auch nach vielen Jahren an der Börse weiter zu verbessern.

Der Schlüssel: Börsenerfolg als Spiegelbild

All dies lässt mich schlussfolgern, dass der Erfolg an der Börse ein Spiegelbild des Charakters ist. Die Jagd nach schnellem Geld wird selten belohnt und wenn, dann geschieht dies auf zweifelhaften Wegen. Es gibt indes viele, fast unendliche Wege, Erfolg an der Börse zu haben. Letztendlich ist mein Eindruck, dass jeder sehr erfolgreiche Anleger ein paar besonders wichtige Prinzipien hat, es indes immer wieder auf deren Gewichtung und Anpassungsfähigkeit ankommt. Demnach gelingt der stabile Börsenerfolg den eher unscheinbaren Charakteren, die angemessen zweifeln und sich immer wieder in Frage stellen, ohne dabei vergessen zu handeln. Wichtiger als das eine Prinzip, das über den Börsenerfolg entscheidet, ist daher aus meiner Sicht das Folgende: Die Börse ist ein Spiegel des Anlegers, der unendlich viele Möglichkeiten hat, erfolgreich zu sein oder auch eben nicht. Daher kommt es neben der Analyse von Kennzahlen eben doch auch immer auf das Bauchgefühl – was viele ungern zugeben – und Verständnis geschichtlicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge an und darauf, wie alles an der Börse zusammenwirkt. Selten ist mir ein besonders erfolgreicher Börsianer begegnet, der nicht auch das unerschöpfliche Ziel hatte, sich permanent weiterzuentwickeln.

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