Deutsche Bank: Ist die Zeit reif für ein Contrarian Investment?

Es gibt Aktien von Banken, die sich an der Börse vergleichsweise gut nach der mittlerweile zehn Jahre zurückliegenden Finanzkrise entwickelt haben und es gibt die Aktien der Deutschen Bank. Der Langzeitchart zeigt, dass die Aktie des größten deutschen Bankhauses seither nie wieder richtig auf die Beine gekommen ist. Kommt jetzt endlich die Zeit der Contrarians?

Aktie Deutsche Bank; Quelle: Finanzen.net

Lange Zeit riss der negative Newsflow nicht ab, selbst als die Ära Cryan angebrochen war und nach außen hin zunehmend der Eindruck des Aufräumens sowie einer Mittelstandsbank vermittelt werden sollte. Die Ereignisse überschlugen sich förmlich – Abspaltung des Investmentbanking ja oder nein? Börsengang der Postbank ja oder nein? Geldwäscheverdacht in Russland! Hohe Strafzahlung in den USA! Dass die Aktie relativ gut durch die Finanzkrise gekommen war, erwies sich später als trojanisches Pferd: Die Aufarbeitung von zweifelhaften Geschäftspraktiken zog lange Nachwehen nach sich und hielt die Aktionäre der Bank in Atem.

Lange Leidenszeit für die Aktionäre

Die Aktionäre, die der Aktie der Deutschen Bank die Treue hielten, wurden in ihrer Leidensfähigkeit auf die Probe gestellt. Denn nicht nur erfolgten mehrere, insgesamt vier, Kapitalerhöhungen in sieben Jahren, es wurden auch noch Bonuszahlungen geleistet, die gemessen an der Performance nur als erstaunlich bezeichnet werden können. Nachdem Christian Sewing nun das Ruder in der Hand hält, sind die Signale klar: Ruhe soll (abermals) einkehren, es soll Seriosität und die Bank als vertrauensvoller Partner etabliert werden. Insbesondere der Ruf der Bank hatte in den letzten zehn Jahren schwer gelitten und die Aktionäre fragten zu recht danach, wie die Bank wieder Geld verdienen will, angesichts der durch niedrige Zinsen erschwerte Bedingungen und die Altlasten der Deutschen Bank.

Die Aktie der Deutschen Bank: Ein Zockerpapier? Ein Contrarian Investment?

Schnell war in Bezug auf die Aktie der Deutschen Bank die Rede von einem „Zockerpapier“. Angesichts der unklaren langfristigen Aussichten und der hohen Volatität ist diese Bewertung nicht fernliegend. Dabei war fundamental gesehen die Lage nicht so schlecht, wie es der Aktienkurs vermuten ließ. Nur konnte die Bank nicht das Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen. Bricht unter der Führung von Sewing nun eine neue Ära an? Kommt der Turnaround und es ist Zeit für ein Contrarian Investment? Als Contrarian bin ich immer an der langfristigen Entwicklung interessiert und hierfür vermag ich derzeit nichts zu erkennen, was – abgesehen von einer kurzfristigen Spekulation – erkennen ließe, dass ein fundamentaler Wandel der Geschäftskultur, eine Zeit des Vertrauens eingesetzt hat und sich auch in Geschäftsfeldern auszahlt. Wer jetzt einsteigt, muss sich fragen, ob er eine oder sogar mehrere Kapitalerhöhungen mitgehen will, bevor sich langfristig ein Investment auszahlen kann – aber nicht muss. Wer an Bankenwerten interessiert ist, findet aktuell mit US-Werten, der HSBC, der UOB oder Intesa Sanpaolo (ja, in Italien!) wesentlich interessantere Bank-Aktien, die indes teilweise schon etwas teuer geworden sind.

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