Buch des Monats: Dr. Peter Putz: Strategisch Investieren mit Aktienoptionen: Konservativer Vermögenszuwachs mit Stillhaltergeschäften

Aktienoptionen sind fast schon eine Frage des Glaubens: Während einige Optionen als „Teufelszeug“ und als Roulette begreifen, sind andere fest überzeugt von den regelmäßig hohen Renditen, die man mit Optionen erzielen könne. Seit einer Weile beschäftigt mich das Thema Optionen auch wieder vertieft und bereits zu Beginn durfte ich feststellen, dass der Einstieg kein leichter ist. Dies hängt u.A. damit zusammen, dass ich ein konservativer Anleger bin und dies beruht auf zwei meiner Handelsgrundsätze, die ich unter keinen Umständen verletzen möchte.

Never lose money

Eine dieser Weisheiten beruht auf Warren Buffett’s Weisheit: „Rule No. 1: Never lose money. Rule No. 2: Never forget about rule No. 2“. Warren Buffett hat Sinn für Humor.

Mache nur was Du verstehst

So weit so gut. Nur wir alle wissen, wie schwierig es ist, nicht auch Drawdowns wegzustecken, die nicht nur unweigerlich zum Börsengeschehen dazu gehören sondern auch dringend benötigte Erfahrung bringen. Das, was ich für mich aus dieser Weisheit ziehe ist, niemals eine Anlage zu tätigen, die ich nicht vollkommen verstanden habe. Dies ist meine zweite Maxime. Und hier fängt der Spaß an, denn die Welt der Optionen ist eine Welt für sich, bei der es viel zu gewinnen und viel zu verlieren gibt. Mit der Maßgabe, erst alles vollkommen verstanden zu haben, sind erhebliche Eintrittsschwellen für den Optionshandel gesetzt und ich bin dankbar, auf das Buch von Dr. Peter Putz, Strategisch Investieren mit Aktienoptionen: Konservativer Vermögenszuwachs mit Stillhaltergeschäften, gestoßen zu sein.

Strategisch Investieren mit Aktienoptionen ist ein gelungener Einstieg

Denn das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es angenehm zurückhaltend und nüchtern daherkommt und sich auf Vermittlung von Informationen in fast schon technischer Konsequenz beschränkt. Es werden, dies ist der erste Pluspunkt, keine Renditeversprechungen gemacht sondern vor allem auch Strategien zur Vermeidung von Risiken ganz klar beschrieben. Was das Buch nicht ist, ist ein vollständiges Handbuch zum Optionshandel, das Buch tritt aber auch nicht mit dem Anspruch an, ein solches zu sein. Wer Optionen wirklich verstehen will und das Rüstzeug bekommen möchte, in einer zurückhaltenden Art und Weise an den Optionshandel herangeführt zu werden, so dass man vielleicht nicht jede abgefahrene Optionsstrategie sofort durchdringt, aber die Preisbildung nach Black-Scholes versteht, die Optionsgriechen auseinanderhalten und die jeweiligen Kennzahlen bewerten kann, dem kann ich das Buch bedingungslos empfehlen. Das Rollen von Optionen hätte jedoch aus meiner Sicht noch ausführlicher beschrieben werden können, insbesondere wenn man sich vor Ablauf der Laufzeit die Frage stellt, ob man sich einbuchen lässt, sind hierfür klare Regeln hilfreich.

Ich habe mittlerweile schon zahlreiche Bücher zu Optionen gelesen und alle haben ihre Stärken und Schwächen. Manche sind zu technisch, andere sind zu salopp geschrieben und enthalten wiederum technische Fehler. Das Buch von Peter Putz ist in Technik und Lesbarkeit ausgewogen und hebt sich aus meiner Sicht daher positiv für den Einstieg ab. Er schafft es, das Thema Optionen so zu vermitteln, dass man versteht, wie Optionen kontrolliert gehandelt werden können.

Einzig bei der Charttechnik wäre aus meiner Sicht Anlass zur Kritik. Peter Putz bezeichnet die Charttechnik und technische Indikatoren als „funktionierend“. Ich bin jedoch der Ansicht, dass niemand anhand von Charts kurzfristige Kursverläufe vorhersagen kann. Aber dies ist ein anderes Kapitel.

Persönliche Weiterentwicklung: +

Informationsgehalt: +++

Lesbarkeit: +++

Börsenweisheiten

Eine häufig unterschätzte Börsenweisheit beim Kauf von Aktien

Es gibt Börsenweisheiten und gelingende Investitionen in Aktien wie Sand am Meer. „The trend is your friend“ oder „Hin und Her macht Taschen leer“ sind nur zwei der einprägsamen Prinzipien, mit denen Gewinne erzielt und Aktien sicher ausgewählt werden sollen. Im Bereich des Value-Investing werden oftmals Warren Buffett und sein Sidekick Charlie Munger herangezogen, die – teils beiläufig – Einblick in Ihre Erfolgsgeheimnisse geben. Die Fülle an humorvollen Börsenweisheiten – eine sehr umfangreiche Zusammenstellung gibt es zum Beispiel hier –  der beiden Legenden der Börse scheint schier unerschöpflich. Ein Klassiker ist zum Beispiel das folgende an den Fight Club erinnernde Sprichwort: „Regel eins lautet: Nie Geld verlieren. Regel zwei lautet: Vergesse nie die Regel Nummer eins“. Was man sicher über Warren Buffett sagen darf ist, dass er es einfach liebt.

Eine unterschätzte Börsenweisheit

Die Einfachheit als Börsenweisheit ist meines Erachtens oftmals unterschätzt. Es geht nicht darum, dass es leicht wäre an der Börse erfolgreich zu sein. Das Einfache ist aber oftmals das Beste. Eine der viel beachteten Börsenweisheiten von Warren Buffett lautet daher: „Value Investing ist simpel, aber nicht einfach.“ Ein Prinzip aus der Philosophie, das sich ohne Weiteres auf die Börse übertragen lässt, ist daher Ockhams Razor bzw. Ockhams Rasiermesser. Ockham war ein im 13. Jahrhundert geborener Philosoph und Theologe, der unter anderem in der Logik etablierte Prinzipien in Frage stellte und erweiterte. Die als Ockhams Razor bekannt gewordene Forderung bezieht sich auf die Berechtigung von Aussagen und ist natürlich in ganz anderen wissenschaftstheoretischen Kontexten aufgestellt worden. Sie kann aber auch auf die Börse übertragen werden.

Ockhams Razor in Bezug zur Börse

In Bezug zum Börsengeschehen bzw. als Börsenweisheit bedeutet Ockhams Razor Folgendes: Vermeide unnötige Komplexität; von vielen möglichen Erklärungen für eine Entwicklung an der Börse oder einer bestimmten Aktie ist die einfache Erklärung oftmals die beste. Es kann vergeblich sein, nach einem Investment zu suchen, das noch von niemandem entdeckt worden ist und das daher besonders hohe Gewinne verspricht. Das Naheliegende, das sich einfach erklären lässt, ist daher regelmäßig dem Komplexen, schwer ergründbaren Investitionen und Aktien vorzuziehen. Ich denke hierbei unter anderem an die Fülle von charttechnischem Indikatoren, mit denen manche ihr Glück versuchen aber auch die Interpretation von technisch komplexen und politisch aufgeladenen Entwicklungen, die für ein Unternehmen Wohl und Wehe bringen können. Wenn es sehr schwierig wird, etwas zu verstehen, sollte man die Finger davon lassen. Die einfachen Kennzahlen KGV und KBV lügen hingegen selten. Einmal dazu gefragt, warum er die Coca Cola Aktie gekauft habe, soll Warren Buffett gesagt haben: „Because you buy a piece of the heart an mind of anybody who drinks it.“ Pro Jahr erhält Berkshire Hathaway über 500 Mio. Dollar an Dividende von Coca Cola ausgezahlt. So einfach kann es manchmal sein!