ETF

Sind ETF systemgefährdend oder -stabilisierend?

In einem unlängst in der Welt erschienenen Artikel mit dem Titel „Indexfonds stabilisieren den Aktienmarkt während Crashs“ wird unter Berufung auf eine Studie des BIS („The implications of passive investing for securities markets“, 19 Seiten; Autoren Vladyslav Sushko und Grant Turner) berichtet, dass Passive Anlageformen (ETF) in volatilen Marktphasen bzw. bei fallenden Kursen systemstabilisierend seien. Der Autorin zufolge resultiere diese Erkenntnis daraus, dass passive Anleger in diesen Phasen – anders als Fondsmanager – passiv blieben und keine Umschichtungen vornähmen. Diese Umschichtungen waren in einem Artikel der Faz aus Dezember 2017 Grundlage einer kritischen – und der These der BIS-Studie entgegengesetzten – Betrachtung gewesen.

Die Rolle der Market Maker

Dieser Auffassung (Faz) zufolge verstärkten ETF systematische Risiken des Finanzmarktes in schwierigen Marktlagen. Zusammengefasst liegt der Hund bei den Market Makern betragen, die beim Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen zwischen Anleger und „Fonds“ (Sponsor) stehen und ETF-Anteile gegen bestimmte Vermögenswerte tauschen. Wenn etwa Anleger massenhaft ETF verkaufen, steigen für den Market Maker die Halterisiken („inventory risk“; der Market Maker muss die ETF-Anteile ankaufen), die dieser mit zusätzlichen Kosten absichern muss. Die These, so lese ich es aus dem Faz-Artikel heraus, ist, dass der Market Maker als rationaler Akteur den inventory risk an die Anleger weitergibt. Heißt im Klartext: Fallende Kurse = höherer Verkauf von ETF-Anteilen = fallende Kurse usw. Die berühmte Slippery Slope, an deren Ende dann der mögliche Zusammenbruch des Systems stehen soll.

Was ist nun richtig? 

Ein wenig salomonisch: Nichts von beidem ist falsch. Fakt ist, mit einem ungefähren Verhältnis von 80 zu 20 sind die aktiven Fonds immer noch wesentlich größer und weiter verbreitet als passive Fonds, ETF im Speziellen. Die (unhinterfragte ?) Grundvoraussetzung für die These des FAZ-Artikels ist indes dass Anleger von ETF selbst aktiv umschichten, d.h. etwa Stopp Loss einsetzen und in schwierigen Marktlagen Anteile verkaufen. Ich bezweifle, dass diese These in vollem Umfang zutrifft. Grundsätzlich sollte das Risiko der gegenseitigen Ansteckung von Anlegern bei einer handfesten Korrektur nicht unterschätzt werden. Die Psychologie der Massen kann enorme Kräfte freisetzen. Vor diesem Hintergrund kann nur immer wieder betont werden, dass insbesondere Privatanleger von einer langfristigen Anlageperspektive profitieren und daher, genau so, wie es Warren Buffett immer empfiehlt, sogar eher gierig seien sollten, wenn alle anderen Angst haben. Die These der BIZ-Studie scheint mir daher plausibel, ob sie einem scharfen Praxistest standhält, weiß niemand: Wenn es eine Korrektur gibt, machen die meisten Anleger das Richtige: Gar nichts. Jedenfalls sollte es so sein.

Griechenland-Aktien

Griechenland-Aktien: Geht es jetzt schnell aufwärts? Zwei interessante Werte!

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat diese Woche Griechenlands Kreditwürdigkeit auf die Wertung B+ angehoben („stabiler Ausblick“). Geht es jetzt schnell bergauf mit der griechischen Wirtschaft und Griechenland-Aktien?

Hintergrund des besseren Ratings sind der höhere Finanzrücklagen und längere Kreditlaufzeiten, mit denen Risiken für Investoren reduziert würden. Des Weiteren wirke sich positiv auch die Schuldenerleichterung aus, über die sich Griechenland vergangene Woche mit den EU-Finanzministern verständigt hatte. Der IWF bleibt indes weiterhin skeptisch jedenfalls im Hinblick darauf, dass Griechenland es zukünftig aus eigener Kraft schaffe, die Schulden abzubauen.

Der Kauf von griechischen Aktien will daher gut überlegt sein. Die Zeichen stehen nach den vielen Jahren zäher Verhandlungen, des Ringens um Hilfen und Reformen zwar auf zarte Erholung. Es wird allerdings noch sehr lange dauern, bis sich dies wirklich spürbar auszahlt. Ein Contrarian-Investment in Griechenland-Aktien sollte langfristig orientiert sein. Bei einigen Griechenland-Aktien sind allerdings schon Vorschusslorbeeren in die Bewertung eingeflossen. Investitionen im griechischen Bankensektor (Alphabank, Eurobank, Piräus Bank) sind nach wie vor spekulativ, da weiterhin Verluste gemacht werden.

Wer etwas mehr Sicherheit sucht, findet im Rohstoff-Sektor und im Baugewerbe interessantere Griechenland-Aktien, die im Falle der fortgesetzten Erholung der griechischen Wirtschaft weiter gewinnen dürften. Die Aktie von Motor Oil Hellas (WKN:794038) ist trotz des enormen Kursgewinns 2017 noch günstig bewertet (KGV 6,37)  und die Dividendenrendite von 7% ist ansehnlich. Eine weitere interessante Griechenland-Aktie, ein echter Exot, ist OPAP (deutsch: Organisation für Prognosen von Fußballspielen; WKN:765974) – es handelt sich um einen privatisierten Wettanbieter, der bis 2020 das Monopol auf Sportwetten und bis 2030 das Lotterie-Monopol in Griechenland hält. Die Aktie ist mit einem KGV von 27 nicht mehr günstig, allerdings war die Dividende in der Vergangenheit verlässlich. Zwar ist die Aktie mit politischen Risiken hinsichtlich möglicher Änderungen der Gesetzeslage versehen, Sinful Stocks bestechen jedoch gerade dadurch, gerade in gesamtwirtschaftlich schwächeren Zeiten nicht stark betroffen zu werden. Frei nach dem Motto: Gespielt wird immer! Dem entspricht, dass auch in den ganz harten Jahren der griechischen Wirtschaftskrise die Dividende fortlaufend gezahlt werden konnte. Es lohnt sich allemal, die beiden Griechenland-Aktien einem näheren Blick zu unterziehen.

Finanzielle Freiheit

Finanzielle Freiheit – Wird das nicht langweilig?

Die Reise „Finanzielle Freiheit“ dauert nur so lange, bis man angekommen ist. Denn wer erst einmal nach den selbst definierten Zielen finanziell frei ist, der hat den ganzen lieben langen Tag Zeit, das zu tun, was er oder sie wirklich möchte. Dann kann man im Pool liegen, Sport machen, reisen, ein Buch schreiben. So oder so ähnlich lautet die landläufige Ansicht zur finanziellen Freiheit. Wer finanziell frei ist, lebt besser, weil er keine Verpflichtungen hat. Mittlerweile zahlreiche Blogger und Autoren befassen sich mit diesem Thema. Ein sehr schöner, weil kritischer, Beitrag findet sich etwa bei Zendepot.

Wir leben in einer Goldgräberzeit! Denn allen Unkenrufen über ungleich Vermögensverteilung zum Trotze leben wir in einer Zeit, in der Kapital – für die meisten – leicht zugänglich und günstig ist. Wer also weiß, was er tut, hat es heute auch durch die Digitalisierung und die Vielfalt von Investitionsmöglichkeiten von überall und zu jeder Zeit wesentlich leichter als vor zwanzig Jahren. Über eine lange Zeit ist der Wohlstand, den wir heute haben, sehr mühsam aufgebaut worden. Man denke etwa daran, wie kurz es Digitaltechnik erst gibt.

Man kann sogar noch weiter vorne anfangen: Die technischen Erleichterungen der Produktion (Robotik z.B.) haben schwere körperliche Arbeit erheblich reduziert. Viele sagen, dass die Digitalisierung noch zu einem erheblichen Rückgang von körperlicher Lohnarbeit führen wird. Es gerät meiner Meinung nach zu schnell in Vergessenheit, wie hart Generationen vor uns noch – buchstäblich von Hand – den Wohlstand erarbeitet haben, der den jetzigen Generationen unbegrenztes Reisen und Freiheiten ermöglicht. Die Chancen, innerhalb eines Lebens großes Vermögen aufzubauen und selbständig zu erarbeiten, waren noch nie so gut, wie heute.

Wer finanzielle Freiheit daher mit Nichtstun gleichsetzt, in Erwartung monatlicher oder quartalsweiser Dividendenzahlungen, greift womöglich zu kurz. Denn wir haben heute schon vieles von dem, von dem andere Generationen nur zu träumen wagten: Gesundheit – Geld – Zeit. Wer vom Hamsterrad spricht, sollte sich zunächst einmal fragen, ob er wirklich weiß, wovon er redet. Damit meine ich nicht, dass es das Hamsterrad nicht gibt oder zu viel gejammert wird. In vielen Fällen dürften aber andere Gründe für die eigene Unzufriedenheit eine Rolle spielen, als ein wirkliches Gefangensein in materieller Notwendigkeit, jeden Tag 12 Stunden sinnbefreit zu schuften. Dass früher vieles schlechter war (Arbeitsbedingungen, Hierarchien, Bezahlung) macht das Heute zwar nicht gut. Die Möglichkeiten, auch geschaffen durch die Digitalisierung, woanders sein Glück zu suchen, im Ausland zu arbeiten oder sogar ein Jahr zu pausieren und zu reisen sind allerdings so gut wie nie zuvor.

Es kommt daher aus meiner Sicht darauf an, ein gutes Maß zu finden, das sich zwischen Aktivität und Freizeit, zwischen Disziplin und Sinn im Beruf einzupendeln hat. Wer finanzielle Freiheit als Passivität und Freiheit von Verpflichtung definiert, der wird vielleicht enttäuscht werden, wenn es soweit ist. Schon häufig habe ich es mitbekommen, wie Ruheständler wieder anfangen zu arbeiten, weil Ihnen langweilig geworden ist. Selbst seine Freizeit mit Sport, Ausflügen und Wohltätigkeit zu füllen, kann vielleicht den Reiz des Zwanges nicht ersetzen. Ich würde nicht darauf verzichten wollen, im Beruf gebraucht zu werden und auch den Stress des Alltags zu spüren. Um es anders zu drehen: Was jederzeit möglich und erreichbar ist, verliert seinen Reiz. Finanzielle Freiheit sollte daher vielleicht für immer ein Ziel bleiben. Der Mensch braucht immer etwas, nach dem er strebt.

P&G Aktie

P&G Aktie: Wann geht es wieder aufwärts?

Die Aktie des Kosumgüterherstellers Procter & Gamble (P&G) mit Sitz in Cincinnati hat, nachdem sie den tiefsten Stand seit vier Jahren nur knapp nicht nach unten gerissen hat, in den letzten Wochen wieder leicht hinzugewonnen. Ist die Situation angesichts der Abwertung jetzt günstig (Contrarian-Investment), um zuzuschlagen? Hierzu zunächst ein paar grundlegende Gedanken: Aktien von Konsumgüterherstellern wie P&G gelten als krisensicher. Denn, verkürzt gesagt: Hygieneprodukte benötigen Menschen immer, egal, wie es der Wirtschaft geht. Zudem gehört P&G zu den Dividendenchampions, die seit mehr als 100 Jahren eine Dividende an die Aktionäre auszahlen und sogar seit über 60 Jahren die Dividende stetig erhöht haben. Aktuell liegt die Dividendenrendite etwas über 3%. Kann man mit P&G überhaupt etwas falsch machen? Warum ist angesichts dieser phänomenalen Werte und des guten Chance-Risiko-Profils der Kurs überhaupt von über 85 EUR auf zeitweise bis beinahe 60 EUR gefallen?

Aktie P&G

Aktie P&G; Quelle: Finanzen.net

Zyklen von Wachstum und Profitsteigerung

Intern hatte P&G mit einigen Problemen zu kämpfen, u.A. mit einem verlangsamten Umsatzwachstum. Es ging, wohlgemerkt, nicht um Umsatzrückgänge, sondern verlangsamtes Wachstum. Einmalig war P&G zudem durch den durch US-Präsident Trump verordneten Tax Cut mit 628 Mio. Dollar belastet. Gleichzeitig befindet sich P&G in einem Umstrukturierungsprozess, in dessen Zuge einige Marken beerdigt und der Konzern sich auf seine umsatzstärksten Kernmarken konzentrieren will. In einigen Bereichen hatte P&G rückläufige Marktanteile zu verzeichnen, etwa bei der Marke Gillette. Damit ging ein Programm zur Senkung von Kosten und zur Effizienzsteigerung einher. Dass ein Umstrukturierungsprogramm mit rückläufigem Umsatzwachstum verbunden ist, ist grundsätzlich erst einmal kein Grund zur Besorgnis. Der Kurs reflektiert aus meiner Sicht die Phase, in der das Unternehmen derzeit steckt. Ein Gigant wie P&G muss längerfristige Zyklen von Wachstum durch Investition und Profitabilitätssteigerung durchlaufen.

Langer Atem ist gefragt

Angesichts der langfristigen guten Aussichten, der moderaten, im Hinblick auf die gewährleistete Sicherheit ansehnliche Dividende kann sich der Kauf der Aktie jetzt lohnen. Wie immer ist bei Contrarian Investments ein langer Atem gefragt; die aufzubringende Geduld ist indes Gegenstück des jetzt günstigen Preises. Auch zur Diversifizierung kann sich die P&G Aktie sehr gut eignen, da sich Konsumgüterhersteller auch in Krisen üblicherweise verhältnismäßig gut entwickeln.

Handelsstreit: politischer Gegenwind als Gefahr für deutsche Industrie(-Aktien)?

Ein etwas plattes Sprichwort lautet: „Feinde muss man sich verdienen“. Nun wäre es sehr übertrieben, im Bezug auf die USA oder Südeuropa von Feinden zu sprechen. Der deutsche Wohlstand, der auf der deutschen Exportstärke beruht, ruft indes Kritiker eines Ungleichgewichts auf den Plan. Weiterlesen

Die Börse ist ein Spiegel des Anlegers

Manches mal habe ich mich gefragt, was das wichtigste Prinzip beim Kauf von Aktien ist. Zunächst kann man zwischen den charakterlichen Eigenschaften des Anlegers und Handlungsprinzipien unterscheiden. Beides ist miteinander verwandt, denn ohne persönliche Veranlagung und charakterliche Weiterentwicklung wird es schwierig, den selbstgesetzten Zielen und Handlungsleitlinien zu entsprechen. Weiterlesen

Amazon oder: Die Zukunft der Gesellschaft

Die Amazon-Aktie ist aktuell wieder vermehrt in den Fokus der Börsenpresse geraten. Eigentlich ist Amazon im Verhältnis zur Größe ein relativ stilles Unternehmen, das im Hintergrund eine unglaubliche Innovationskraft aufbaut und neue Geschäftsfelder durch Reinvestitionen erschließt. Weiterlesen

ETF

ETFs und Contrarianism: 3 starke Argumente

ETFs sind auf dem unangefochtenen Siegeszug. Selbst Warren Buffett hat für Privatanleger mehrfach Empfehlungen für ETFs ausgesprochen. ETFs können in der Tat zahlreiche Argumente für sich verbuchen.

Das Ökosystem Apple

In letzter Zeit war im Zusammenhang mit Apple öfters vom Ecosystem Apple, oder eben deutsch: Ökosystem Apple zu lesen. Lange war für mich das iPhone ein gutes Smartphone, aber eben auch nicht mehr. Die Apple-Religion habe ich nie richtig verstanden, sie ist mir auch heute noch suspekt. Und wohin will Warren Buffett mit Apple?

Cannabis als Investment: Bald auch in Deutschland?

Björn Junker hat in seinem Blog im letzten September auf den „Kursrausch bei Cannabis-Aktien“ in Kanada hingewiesen. Auch in den USA prosperiert der Wirtschaftszweig Cannabis-Industrie. Nach den Kursanstiegen aus dem letzten Herbst ging es für die Cannabis-Indizes in den USA und Kanada allerdings – nach der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl – wieder etwas abwärts (marijaunaindex.com). Wie ist der Stand […]