Anleihen

Eine Anleihe ist vom Grundsatz her nichts anderes als eine Schuldverschreibung. Sie leihen jemandem Geld, der Ihnen darauf zusichert, Zinsen zu zahlen und Ihnen das Geld irgendwann zurückzugeben. Anleihen dienen daher dem Zweck, Finanzierungsbedarf zu decken und für den Gläubiger, Zinszahlungen zu erhalten. Bei Anleihen handelt es sich daher um so etwas Ähnliches wie ein Darlehen. Was Anleihen von klassischen Darlehen unterscheidet ist, dass Anleihen zu geringeren Beträgen herausgegeben (verbrieft) werden und ein Darlehen meist ein großer substanzieller Betrag ist. Dies macht die Anleihen – auf dem Rentenmarkt – handel- und übertragbar und damit fungibler als Darlehen. Unternehmen leihen sich schon bei Finanzierungsbedarf im unteren Bereich von etwa 100.000 Euro meistens Geld bei Banken oder Investoren. Anleihen hingegen – geeignet insbesondere für großen Finanzierungsbedarf – haben daher mit Aktien auch gemein, dass sie in aller Regel zu Nenn- bzw. Kaufbeträgen erhältlich sind, die auch Privatanlegern ermöglichen, Unternehmen oder dem Staat verzinslich Geld zur Verfügung zu stellen.

Anleihen sind daher auch den Aktien nicht unähnlich, da sie nach der Ausgabe frei gehandelt werden und einen eigenen Kurs haben, der von ihrem Nennwert abweichen kann. Es ist auch das sogenannte Kupon-Stripping möglich, das eine Trennung von Rückzahlungsanspruch und Zinszahlung bedeutet. Der Anleihemantel (Rückzahlungsanspruch) kann dann unabhängig vom Zinskupon gehandelt werden, der einen bloßen Zinsanspruch auf den Nennwert darstellt. Bei dem Anleihemantel handelt es sich dann um eine Nullkuponanleihe.

Zu unterscheiden ist zwischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Staatanleihen gelten als bombensicher (die Idee ist, dass ein Staat nie „pleite“ geht), werfen aber auch keine hohe Rendite ab. Zu Staatsanleihen muss man eigentlich daher nichts sagen, außer dass ich Sie bitte, sich angesichts der aktuell niedrigen Zinsen einmal international die Verzinsung anzusehen. Deutsche Staatsanleihen (10-jährige Laufzeit) sind – Stand 19.9.2017 – mit 0,43% verzinst. Aktien sind daher auch gegenüber den sicheren Staatsanleihen die bessere Wahl.

Was ist aber mit Unternehmensanleihen? Was bei Aktien die Dividende ist, laufende Zahlungen aus den Unternehmensgewinnen, ist bei Anleihen mit dem Zinskupon vergleichbar. Also eine sichere „Quasi-Dividende“ von z.B. 6%? Nicht ganz. Zunächst werden Sie als Inhaber einer Anleihe im Gegensatz zum Aktionär nicht (Teil-)Eigentümer des Unternehmens. Als Aktionär stellen Sie dem Unternehmen als Eigentümer Eigenkapital zur Verfügung, während der Zeichner von Anleihen Fremdkapital zur Verfügung stellt – Sie sind so eine Art von Mini-Bank. Selbst wenn Sie nicht vorhaben, zu einer Aktionärshauptversammlung zu gehen und Sie vollständig auf Ihre Mitbestimmungsrechte pfeifen, weil Sie „nur“ Kleinaktionär sind, partizipieren Sie mit Aktien als Eigentümer zeitlich unbegrenzt von der langfristigen Entwicklung des Unternehmens.

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