Aktien und Steuern

Das Thema Aktien und Steuern ist komplex – wer hätte es erwartet? Ein wesentlicher Baustein zum Verständnis der Besteuerung von Aktiengewinnen liegt jedenfalls in der Kenntnis der Abgeltungssteuer. Mit der Abgeltungssteuer wird die Kapitalertragsteuer – eine Erhebungsform der Einkommensteuer auf Kapitalerträge – abgegolten. Seit 2009 wird auf Kapitalerträge Abgeltungssteuer – als Quellensteuer – durch die depotführende Bank ans Finanzamt abgeführt. Kapitaleinkünfte bis 801 EUR pro Jahr (sog. Sparer-Pauschbetrag) sind dabei von der Abgeltungssteuer freigestellt. Damit die depotführende Bank den Sparer-Pauschbetrag berücksichtigt, muss diese ein Freistellungsauftrag erteilt werden. Die Bank führt dann erst Steuern ab, wenn der Sparer-Pauschbetrag erschöpft ist. Eine Veranlagung, bei der eine Erklärung zu feritgen ist, ist damit grundsätzlich hinsichtlich Aktiengewinne (zunächst unerheblich ob Veräußerungs- oder Dividendenerträge) überflüssig. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen. Komplexer wird es insbesondere bei ausländischen Dividenden – denn hier wird die Ausschüttung oftmals im Ausland besteuert und die dort abgeführte Steuer kann in Deutschland bei der Kapitalertragsteuer nach bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen angerechnet werden. Besonders relevant ist seit 1.1.2018 die Reform der Besteuerung von ETF: Im Grundsatz konnte es nach altem Recht zu einer Ungleichbehandlung von inländischen und ausländischen bzw. synthetischen und thesaurierenden Fonds kommen, da ausländische Fonds nicht zum Abführen der Abgeltungssteuer verpflichtet sind. Es war daher in vielen Fällen erforderlich, in mühsamer Kleinarbeit die steuerlichen Belastungen im Einzelnen zu errechnen und zu erklären. Bei Fonds, die gar nicht ausschütten, konnte es zu einer Steuerstundung bis zur Veräußerung kommen. Auf Grundlage der neuen Rechtslage wird nun eine sog. Vorabpauschale besteuert. Diese bemisst sich anhand des sog. Basisertrags, bei dem es sich um den Wert der Fondsanteile handelt, der mit dem Faktor 0,7 (Teilfreistellung) und einem durch die Bundesbank für Bundeswertpapiere veröffentlichten Basiszins multipliziert wird. Das klingt kompliziert, führt aber, soweit ersichtlich, zu einer einheitlichen Besteuerung und zur Vereinfachung der ETF-Besteuerung. Komplex wird die Besteuerung, sobald Kapitalgesellschaften (GmbH und AG) ins Spiel kommen, die ggf. Anteile aneinander halten und Veräußerungsgewinne aus Beteiligungsverkäufen oder Dividenden aneinander ausschütten. In diesem Fall bedarf es sorgfältiger Prüfung im Einzelfall, welche steuerlichen Vorteile aus eine klugen Gestaltung gezogen werden können (Schachtelprivileg).

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